Zum Anreiten gibst du dem Pferd einen kleinen Vorwärtsimpuls über das Gewicht. Dazu machst du ganz leicht die Bewegung, mit der du eine Schaukel nach vorne zum Schwingen bringst. Reagiert das Pferd darauf nicht, legst du beide Schenkel gleichzeitig an. Je nachdem wie es das Pferd gelernt hat, wird es antreten, sobald du Druck gibst oder nachdem du wieder losgelassen hast. Gib mit den Zügeln leicht nach, so dass das Pferd nach vorne treten kann.
Der Schritt ist ein Viertakt, d. h. das Pferd setzt jedes Bein einzeln auf, man hört viermal ein Hufklappern bis wieder dasselbe Bein aufsetzt. Unterschieden werden Mittelschritt, starker Schritt und versammelter Schritt.
Im Schritt treibst du abwechslungsweise rechts und links. Eigentlich holt sich das Pferd die Hilfen ganz von alleine ab, denn der Pferdebauch schwingt immer von einer Seite auf die andere gegen deine Beine. Du kannst das selber beobachten, wenn du dich hinter ein Pferd stellst, das im Schritt von dir weggeführt wird oder indem du beim Reiten selber mal fühlst, wie der Bauch sich unter dir hin und her bewegt. Manchmal muss man aber trotzdem noch treiben. Wenn die rechte Schulter zurück geht (was du vom Pferd aus sehen kannst), drückst du mit dem rechten Bein an den Pferdebauch. Geht die linke Schulter zurück, drückst du mit dem linken Bein. In diesem Moment greift das Pferd nämlich mit dem Hinterbein dieser Seite vor (und darum bewegt sich dann auch der Bauch auf dieser Seite gegen dein Bein). Mit dem Treiben will man immer erreichen, dass das Pferd mit den Hinterbeinen aktiver wird. Treibe aber nur, wenn dein Pferd nicht fleissig genug ist. Wenn du immer treibst, findet das Pferd irgendwann mal, es mache keinen Sinn, schneller zu gehen, weil du ja trotzdem weitertreibst. Je nach Charakter und Laune wird es sogar sauer und bleibt stehen. Deine Hilfen verlieren so ihren Sinn. Hört das Pferd auf die treibende Hilfe, belohnst du es dafür, indem du nicht mehr treibst. Wenn es nicht reagiert, gibst du die Hilfe etwas stärker. Allenfalls kannst du das Pferd auch mit der Gerte hinter deinem Bein touchieren. Wichtig ist beim Schritt, dass du vor allem mit dem Becken geschmeidig und losgelassen in der Bewegung mitgehst – nicht mitschiebst! – und das Pferd nicht mit zu starken treibenden Hilfen störst oder zum Eilen bringst. Im Schritt soll das Pferd gelassen schreiten und sich an den Zügel herandehnen. Die Zügel kannst du deshalb im Schritt etwas länger lassen, ohne aber die Verbindung zum Pferdemaul aufzugeben. Obwohl der Schritt einfach zu sitzen ist, ist er die am schwierigsten zu reitende Gangart. Im Schritt lässt sich das Pferd nämlich am leichtesten aus dem Takt bringen. Reiterfehler können sogar dazu führen, dass das Pferd in den Pass fällt, was sich oft nur noch schwer wieder korrigieren lässt.
Der Trab ist ein Zweitakt mit Schwebephase. Das Pferd fusst immer mit zwei Beinen gleichzeitig auf. Mit dem linken Hinter- und dem rechten Vorderbein, dann ist es einen Moment lang mit allen Beinen in der Luft und dann fusst es mit dem rechten Hinter- und dem linken Vorderbein gleichzeitig auf. Die Tempi im Trab sind Arbeitstrab, Mitteltrab, starker Trab und versammelter Trab.
Für Anfänger ist der Trab oft ziemlich
unangenehm, weil der Rücken des Pferdes dabei
relativ stark schwingt. Wie stark der Rücken
schwingt, ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich.
Manche haben einen «harten» Trab, den
man kaum sitzen kann, während andere so
«weich» traben, dass man kaum eine
Bewegung spürt. Zum Antraben machst du das
Pferd mit einer halben Parade aufmerksam. Die
Zügel musst du etwas kürzer nehmen, weil
das Pferd den Hals im Trab weniger lang macht und
höher trägt als im Schritt. Ein sensibles
Pferd kannst du antraben, indem du ihm mit dem
Gewicht einen Vorwärtsimpuls gibst. Vor allem
bei Schulpferden musst du allerdings oft auch die
Beine zu Hilfe nehmen. Dabei drückst du beide
Beine gleichzeitig an den Pferdebauch. Nun darfst
du keinesfalls das Pferd an den Zügeln
zurückhalten, sondern musst etwas
nachgeben.
Trabt das Pferd, gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder du bleibst sitzen, was man
«aussitzen» nennt, oder du hebst bei
jedem zweiten Trabtritt dein Gesäss etwas aus
dem Sattel und sitzt dann weich wieder ein. Das
nennt man «Leichttraben» oder
«Leichtreiten». Zu Anfang der
Reitstunde und bei jungen Pferden trabt man leicht,
um den Pferderücken zu entlasten. Du
lässt dich immer dann aus dem Sattel heben,
wenn die äussere Schulter deines Pferdes
vorgeht, um das innere Hinterbein vorzulassen. Zum
Treiben drückst du wenn nötig beim
Einsitzen beide Beine an das Pferd. Stehe nicht
möglichst hoch und gerade auf sondern entlaste
nur gerade soweit, wie du vom Pferd aus dem Sattel
gehoben wirst. So läufst du weniger Gefahr,
dem Pferd beim Einsitzen in den Rücken zu
plumpsen. Wenn du statt mit der üblichen
Vorstellung von «Aufstehen» und
«Hinsetzen» mit der Vorstellung von
«Entlastung» und
«Belastung» reitest, fällt es dir
leichter, in der Bewegung des Pferdes zu bleiben.
Deine Knie- und Fussgelenke federn deine Bewegungen
locker ab. Achte auch darauf, in den Schultern und
Ellenbogen locker zu bleiben. Deine Hände
wandern beim Entlasten nicht nach oben sondern
behalten ihre Position bei. Das kannst du nur, wenn
sich deine Ellenbogengelenke öffnen und
schliessen.
Beim Aussitzen musst du dich den Bewegungen des
Pferdes anpassen und losgelassen bleiben. Im Trab
hebt sich immer abwechslungsweise die linke und die
rechte Seite des Pferderückens. Wenn du
Mühe mit dem Aussitzen hast, probiere immer
auf der Seite deine Hüfte hochzuziehen, auf
der sich der Rücken hebt ausserdem hilft es
anfangs z.B., wenn du dir vorstellst, du seist ein
Pudding oder wenn du erst alle Spanung
loslässt und sozusagen im Sattel
zusammenfällst. Dann beginnst du langsam, dich
Stück für Stück vom untersten Teil
des Rückens bis zum Kopf wieder aufzurichten.
Viele Reiter fallen beim Aussitzen nach vorne.
Setze dich auf deine Gesässknochen, sonst
kommst du aus dem Gleichgewicht.
Beim Galopp unterscheidet man Arbeitsgalopp, Mittelgalopp, starken Galopp und versammelten Galopp. In allen diesen Tempi ist der Galopp ein Dreitakt. Ausserdem gibt es noch den Renn- oder Jagdgalopp, der ein Viertakt ist.
Zum Angaloppieren machst du dein Pferd wieder mit einer halben Parade aufmerksam. Falls du aus dem Trab angaloppierst, musst du aussitzen. Dann gibst du dem Pferd leichte Stellung nach innen. D.h. du nimmst den inneren Zügel etwas an, so dass du den inneren Augenbogen des Pferdes schimmern sehen kannst. Dein Gewicht verlagerst du leicht in Richtung innere Schulter des Pferdes. Pass dabei auf, dass du nicht in der Hüfte einknickst und nimm deine innere Schulter nach hinten. Gleichzeitig treibt dein inneres Bein am Gurt, während du das äussere etwa eine Handbreit hinter den Gurt legst. Auch beim Angaloppieren darfst du das Pferd nicht am Zügel zurückhalten, sondern musst den ersten Galoppsprung am inneren Zügel herauslassen. Der Galopp ist meist eine sehr angenehm zu sitzende Gangart. Falls es dir jedoch zu schnell wird oder du Angst bekommst, halte dich nicht am Zügel fest, sondern greif in die Mähne oder an den Sattel. Ausserdem solltest du versuchen, trotz der Angst deine Beine vom Pferd zu lösen und locker hängen zu lassen. Wenn du klammerst, fasst das Pferd das nämlich als treibende Hilfe auf und wird noch schneller. Atme am besten tief aus und setz dich aufrecht hin. Dabei kann es dir helfen, wenn du dich mit einer Hand am Vorderzwiesel oder Angstriemchen hältst und dich so in den Sattel ziehst.