Rückwärts nach vornStehenblieben

3. Januar 2004: Rückwärts nach vorn

Hab meine Reitbeteiligung Moah überlistet … In letzter Zeit bleibt sie öfters mal stehen, wenn man sie irgendwo hin führt und bewegt sich für einige Minuten erst mal nicht mehr vorwärts von der Stelle. Ich habe schon einiges versucht – von rückwärtsrichten oder auf der Stelle drehen bis zu einem Klaps auf den Hintern – aber gebracht hats nichts und ich hatte den Eindruck, dass sich das Verhalten eher häuft.
Vorletztes Mal bin ich dann auf die Idee gekommen, sie rückwärts durchs Tor treten zu lassen, als sie vorwärts nicht mitkommen wollte. Das hat auch funktioniert und gestern hab ich das konsequent durchgezogen. Wir kamen zum Tor, sie blieb stehen. Ich versuchte gar nicht erst sie dazu zu bringen, vorwärts durchs Tor zu gehen, sondern liess sie herumtreten und rückwärts durchs Tor gehen. Dann wollte sie wieder nicht weitergehen. Na gut, mir wars egal, wie wir den Weg hochkamen. Hauptsache, wir gingen dorthin, wo ich hinwollte. Also liess ich sie seitwärts hochtreten (Wegen Schnee und Eis war mir rückwärts zu gefährlich). Ich liess ihr alle paar Meter wieder die Chance, vorwärts mit mir zu kommen, aber wenn sie nicht wollte … Oben angekommen lief sie dann auch ein Stück mit, aber dann stand da ein Landwirtschaftsgefährt, auf welches ein paar Männer Holz aufluden. Pferdchen fand: «Da gehe ich nicht weiter!» No Problem für uns listige Menschen: Rückwärts geht auch das!
Die nächsten ca. 100 Meter waren kein Problem. Aber dann stand Miss Moah plötzlich wieder still. Das ganze Spiel begann nochmal von vorne. Diesmal war sie besonders hartnäckig und nahm erstmal keine Chance an, wieder vorwärts zu gehen. Ich war allerdings noch hartnäckiger und das überzeugte sie nach mehr als fünfmal rückwärts gehen davon, dass sie mit Stehenbleiben eben doch nicht stehenbleibt. Danach ist sie auf dem ganzen Spaziergang kein einziges Mal mehr stehengeblieben und auch im Stall hat sie nur noch kurz überlegt, ob sie stehenbleiben soll, aber dann ist ihr scheinbar etwas eingefallen …

Der gestrige Tag war ein riesiger Erfolg für mich Ich habe so gehandelt, wie ich es nach der Lektüre von Mark Rashids Buch «Denn Pferde lügen nicht» für richtig halte. Ich habe die Meinung meines Pferdes akzeptiert, ihm aber auch gezeigt, dass ich anderer Meinung bin und meine Meinung ohne Gewalt durchgesetzt. Ich habe Moah mit Köpfchen davon überzeugt, dass meine Meinung besser ist.
Rückwärtsrichten wenn das Pferd nicht will wie gewünscht ist ja nix Neues, aber bisher hab ich das scheinbar einfach in die falsche Richtung gemacht. Vielleicht bestrafe ich Moah ja, indem ich sie zurücktreten lasse, aber es geht mir ja eigentlich nicht um die Strafe, sondern darum, dass ich dorthin komme, wo ich hinwill – und wenn ich das Pferd zurücktreten lasse, wenn ich vorwärts will, ist das doch irgendwie paradox. Rückwärts nach vorne hat einige Vorteile finde ich:

  1. Ich komme zu meinem Ziel. Wie ist ja erstmal egal.
  2. Ich muss nicht andauernd den gleichen Weg vielfach gehen, weil das Pferd nach dem Rückwärtsgehen wieder weiter hinten steht, als wir vorher waren.
  3. Mein Pferd hat nicht den geringsten Erfolg mit seinem Verhalten. Es lernt, dass es sowieso mitkommen muss.

Aber das Schönste war halt schon, was passierte als wir wieder zurück im Stall waren. Nachdem ich Moah freigelassen hatte, ist sie erstmal ein Stück neben mir hergegangen und als ich anhielt, blieb sie auch stehen und lief dann gemeinsam mit mir wieder los. Bevor ich den Stall verliess bin ich wie immer zu ihr hingegangen, um mich von ihr zu verabschieden. Sie stand auf der Weide und mümmelte ein bischen Stroh. Als ich kam, hob sie den Kopf und ging ein paar Schritte auf mich zu. Ich hätte die ganze Welt umarmen können!