Das eigene PferdDas PflegepferdDie ReitbeteiligungDas Patenpferd

Wenn du viel Freude am Umgang mit Pferden hast, wirst du dir wohl irgendwann einmal ein eigenes Pferd wünschen. Vorher solltest du dir jedoch einiges überlegen und abwägen, ob es nicht auch eine andere Lösung gibt, die für dich und dein «eigenes» Pferd besser wäre.

Das eigene Pferd

Sarah und Bylur

Das bedeutet, das Pferd gehört dir allein (wenn du minderjährig bist deinen Eltern). Du musst es pflegen, bewegen, für Hufschmied, Tierarzt, Futter und evtl. Stallmiete aufkommen. Ein eigenes Pferd nimmt viel Zeit in Anspruch. Meist ist es mit dem Reiten, Putzen und Misten noch nicht getan. Du musst schauen, ob die Weide in Ordnung ist, jäten, Pferdeäpfel einsammeln, den Miststock machen, Sattel und Zaum putzen und, und, und … Bevor du dir ein eigenes Pferd kaufst, musst du die folgenden Fragen alle mit ja beantworten können. Bei allen Überlegungen ist es wichtig, dass du ehrlich mit dir selber bist und von der Realität ausgehst und nicht von Wunschdenken à la «Das geht dann schon irgendwie»!

Wenn du dir immer noch sicher bist, dass du ein Pferd richtig halten könntest, musst du dir nochmal einiges überlegen:

Marianne + Hrimmnir

Auf eine bestimmte Fellfarbe sollte man sich nicht festlegen, denn die Farbe hat keinen Einfluss auf die Qualität und den Charakter des Pferdes. Bevor man sich ein Pferd kauft, sollte man es in seinem Heimatstall besuchen. Nimm jemanden mit, der sich mit Pferden auskennt, sonst kannst du nämlich (egal ob du das Pferd von Privat oder vom Händler kaufst) ganz schön übers Ohr gehauen werden! Man schaut, wie das Pferd sich verhält, ob es ruhig im Umgang ist und reitet es mindestens einmal Probe auf dem Reitplatz. Dann lässt man es sich vom Besitzer vorreiten und schaut, wie es unter ihm geht.
Man informiert sich beim Besitzer über besondere Macken und Probleme des Pferdes, ob es an einer Krankheit leidet, wie weit es ausgebildet worden ist usw. Achtung: Manche Verkäufer versprechen einem das Blaue vom Himmel! Sei also durchaus kritisch und verlass dich nicht gleich auf alles, was man dir sagt. Wir waren mal bei einem Händler, der von einem Mix-Pony behauptet hat, er hätte Papiere – dabei haben nur reinrassige Pferde Papiere. Ebenso hat die Verkäuferin eines Schulponys behauptet, es sei topfit, gut ausgebildet und sofort einsetzbar – von der Vorbesitzerin, die es erst etwa drei Wochen vorher an die Frau verkauft hatte, erfuhr meine Reitlehrerin, dass sie das Pony nur als Beistellpony hatte: Das Pony hatte also keinerlei Kondition und konnte praktisch nichts. Interessant ist auch immer zur wissen, weshalb das Pferd verkauft wird.
Bist du dir ziemlich sicher, dass du das Pferd kaufen möchtest, lässt du von deinem eigenen Tierarzt eine Ankaufsuntersuchung machen. Dabei wird untersucht, ob das Pferd irgendwelche gesundheitliche Probleme hat, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Ist alles o.k. kannst du das Pferd kaufen. Ich möchte hier noch ausdrücklich vor Mitleidskäufen warnen: Ein krankes Pferd kostet schlussendlich oft ein mehrfaches seines Kaufpreises und ein verstörtes und verrittenes Tier ist nicht so schnell wieder korrigiert und gehört in die Hände eines Profis. So hart es ist: Wenn du ein armes Pferd von einem schlechten Händler kaufst, hilfst du damit vielleicht dem einen Pferd – aber du unterstützt damit auch den Händler, der seine Pferde schlecht hält und den Kunden Lügengeschichten auftischt um die Pferde über ihrem Wert zu verkaufen. Für jedes verkaufte Pferd kommt wieder ein neues in den Stall.

Das Pflegepferd

Ich und Lux

Ein Pflegepferd gehört nicht dir, aber du schaust an mehreren Tagen in der Woche oder die ganze Woche über zu ihm. Auch das nimmt viel Zeit in Anspruch. Nach der Schule kommen die Hausaufgaben und dann das Pferd. Du kannst nicht kurzfristig beschliessen, ins Kino zu gehen, weil es regnet und du lieber nicht raus zu deinem Pflegepferd möchtest, denn der Besitzer des Pferdes verlässt sich ja auf dich.
Die Aufgaben, die du bei einem Pflegepferd hast, sind von Pferdebesitzer zu Pferdebesitzer unterschiedlich. Normalerweise bedeutet es, das Pferd zu putzen, zu misten, das Sattelzeug zu pflegen, das Pferd auf die Weide zu bringen oder von dort zu holen, den Stall zu machen usw. Reiten gehört nicht unbedingt dazu. Lasse dich jedoch nicht als Gratis-Arbeitskraft ausnützen. Wenn du ein Pflegepferd möchtest, solltest du schon etwas Erfahrung im Umgang mit Pferden haben, aber ein verantwortungsvoller Besitzer wird dir auch etwas zeigen, wenn du es noch nicht weisst. Leider sind nicht alle Pferdebesitzer so verantwortungsvoll. Sie haben z.B. ein Pferd für ihre Tochter gekauft, doch nachdem sie das Pferd abgeworfen hat, will sie es nicht mehr reiten. Das Pflegemädchen soll das Pferd nun wieder «kurieren» und wenn das nicht funktioniert, ist es das Pflegepferd schnell wieder los. Oder die Besitzer brauchen eigentlich nur billige Helfer und haben kein Verständnis dafür, wenn du wegen der Schule mal nicht kommen kannst. Vielleicht findest du es ja ganz toll, wenn man dich mit dem Pferd einfach dir selbst überlässt und du tun und lassen kannst, was du willst. Das kann aber ganz schön ins Auge gehen, vor allem wenn du noch nicht so viel Erfahrung mit Pferden hast.
Da ein Pflegepferd nicht dir gehört, hat sein Besitzer das Recht, es z. B. von einem Tag auf den anderen zu verkaufen und zwar an wen er will. Deine Meinung zählt dabei nicht und das kann sehr hart sein, wenn du dich von deinem geliebten Pflegepferd trennen musst.
Ein Pflegepferd findest du, indem du in Zeitungen bei den Kleinanzeigen oder an Anschlagbrettern in Supermärkten usw. oder im Internet suchst, selbst eine Anzeige aufgibst oder direkt einen Pferdebesitzer fragst, ob er ein Pflegemädchen/-junge brauchen kann. Oft sind auch Reitlehrer und die Verkäufer im lokalen Reitsportgeschäft gut informiert über Pferdebesitzer, die jemanden suchen. Dort solltest du also unbedingt nachfragen.
Als Pflegemädchen oder Pflegejunge solltest du eine Haftpflichtversicherung abschliessen und die schriftliche Einverständnis deiner Eltern haben. Kläre mit dem Pferdebesitzer ab, was deine Aufgaben sind, ob du auch etwas zahlen musst (ich habe bei meinem ersten Pflegepferd immer die Hälfte des Hufschmieds bezahlen müssen) und ob du das Pferd auch reiten darfst. Auch bei der Suche nach einem Pflegepferd gilt: Das Pferd sollte zu dir passen. Du solltest mit ihm nicht überfordert sein. Ebenso wichtig wie das Verhältnis zum Pflegepferd ist das Verhältnis zu seinem Besitzer. Wenn du ihn nicht magst oder ihr sehr unterschiedliche Auffasungen in Bezug auf Pferde habt, solltest du dir gut überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, ausgerechnet sein Pferd zu pflegen.

Die Reitbeteiligung

Bei einer Reitbeteiligung teilst du das Pferd mit dem Besitzer. Ihr teilt die Kosten für Hufschmied, Tierarzt, Futter und Stallmiete, macht ab, an welchen Wochentagen wer zum Pferd schauen muss und es reiten darf. Mit einem Reitbeteiligungspferd darfst du oft auch auf Turniere und in die Reitstunde gehen. Von einer Reitbeteiligung wird ein gewisses reiterliches Können erwartet. Manche Pferdebesitzer vergeben Reitbeteiligungen ausserdem erst an Reiter über 18 Jahren.
Ohne genaue Absprache funktioniert eine Reitbeteiligung jedoch nicht und Rechte und Pflichten beider Reiter sollten in einem Reitbeteiligungsvertrag festgehalten werden. Deine Eltern müssen mit einer Reitbeteiligung einverstanden sein, wenn du minderjährig bist, denn im Normalfall müssen sie schliesslich zahlen. Eine Reitbeteiligung ist schon fast wie ein eigenes Pferd, aber das Pferd gehört meist immer noch dem Besitzer allein, er kann über es bestimmen und es auch an jemand anderen verkaufen, wenn er das will.

Das Patenpferd

Vasco

Eine wenig bekannte Möglichkeit zum «eigenen» Pferd zu kommen, ist eine Patenschaft für ein altes oder unreitbares Pferd auf einem Gnadenhof zu übernehmen. Gnadenhöfe sind oft Vereine, die von Spenden leben und in denen die Mitglieder auch noch ihr letztes Geld für die Pferde zusammenkratzen. Gnadenbrotpferde brauchen häufig spezielles Futter oder regelmässig den Tierarzt. Ausserdem müssen die Ställe und Weiden in Ordnung gehalten, renoviert oder ausgebaut werden.
Da die Pferde nicht arbeiten können, verdienen Gnadenhöfe mit ihnen kein Geld. Deshalb gibt es oft die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen. Du kannst wählen, von welchem Pferd du Pate sein möchtest und zahlst dafür einen bestimmten Geldbetrag an den Gnadenhof. Je nach Gnadenhof kannst du selber bestimmen, wann und wieviel Geld du spenden möchtest. Manchmal gibt es auch bestimmte Monats-, Halbjahres- oder Jahresbeiträge. Es ist auch möglich, als ganze Familie oder Clique eine Patenschaft zu übernehmen.
Es bestehen in der Regel keine weiteren Verpflichtungen, aber wenn der Hof in deiner Nähe liegt, ist es fast immer möglich, auf dem Gnadenhof zu helfen oder auch das Pferd zu putzen und mit ihm spazieren zu gehen. Viele Gnadenhöfe sind dankbar für jede Hilfe. Vom Gnadenhof werden die Paten auf dem Laufenden gehalten, wie es «ihrem» Pferd geht und was so im Stall passiert. An die Adresse von Gnadenhöfen in deiner Nähe kommst du z. B. über den Tierschutzverein.