Wenn du viel Freude am Umgang mit Pferden hast, wirst du dir wohl irgendwann einmal ein eigenes Pferd wünschen. Vorher solltest du dir jedoch einiges überlegen und abwägen, ob es nicht auch eine andere Lösung gibt, die für dich und dein «eigenes» Pferd besser wäre.
Das bedeutet, das Pferd gehört dir allein (wenn du minderjährig bist deinen Eltern). Du musst es pflegen, bewegen, für Hufschmied, Tierarzt, Futter und evtl. Stallmiete aufkommen. Ein eigenes Pferd nimmt viel Zeit in Anspruch. Meist ist es mit dem Reiten, Putzen und Misten noch nicht getan. Du musst schauen, ob die Weide in Ordnung ist, jäten, Pferdeäpfel einsammeln, den Miststock machen, Sattel und Zaum putzen und, und, und … Bevor du dir ein eigenes Pferd kaufst, musst du die folgenden Fragen alle mit ja beantworten können. Bei allen Überlegungen ist es wichtig, dass du ehrlich mit dir selber bist und von der Realität ausgehst und nicht von Wunschdenken à la «Das geht dann schon irgendwie»!
Wenn du dir immer noch sicher bist, dass du ein Pferd richtig halten könntest, musst du dir nochmal einiges überlegen:
Auf eine bestimmte Fellfarbe sollte man
sich nicht festlegen, denn die Farbe hat keinen Einfluss auf die Qualität
und den Charakter des Pferdes. Bevor man sich ein Pferd kauft, sollte man
es in seinem Heimatstall besuchen. Nimm jemanden mit, der sich mit Pferden
auskennt, sonst kannst du nämlich (egal ob du das Pferd von Privat
oder vom Händler kaufst) ganz schön übers Ohr gehauen werden!
Man schaut, wie das Pferd sich verhält, ob es ruhig im Umgang ist
und reitet es mindestens einmal Probe auf dem Reitplatz. Dann lässt
man es sich vom Besitzer vorreiten und schaut, wie es unter ihm geht.
Man informiert sich beim Besitzer über besondere Macken und Probleme
des Pferdes, ob es an einer Krankheit leidet, wie weit es ausgebildet worden
ist usw. Achtung: Manche Verkäufer versprechen einem das Blaue vom
Himmel! Sei also durchaus kritisch und verlass dich nicht gleich auf alles,
was man dir sagt. Wir waren mal bei einem Händler, der von einem Mix-Pony
behauptet hat, er hätte Papiere – dabei haben nur reinrassige
Pferde Papiere. Ebenso hat die Verkäuferin eines Schulponys behauptet,
es sei topfit, gut ausgebildet und sofort einsetzbar
– von der Vorbesitzerin, die es erst etwa drei Wochen vorher an die
Frau verkauft hatte, erfuhr meine Reitlehrerin, dass sie das Pony nur als
Beistellpony hatte: Das Pony hatte also keinerlei Kondition und konnte
praktisch nichts. Interessant ist auch immer zur wissen, weshalb das Pferd
verkauft wird.
Bist du dir ziemlich sicher, dass du das Pferd kaufen möchtest, lässt
du von deinem eigenen Tierarzt eine Ankaufsuntersuchung machen. Dabei wird
untersucht, ob das Pferd irgendwelche gesundheitliche Probleme hat, die
man nicht auf den ersten Blick erkennt. Ist alles o.k. kannst du das Pferd
kaufen. Ich möchte hier noch ausdrücklich vor Mitleidskäufen
warnen: Ein krankes Pferd kostet schlussendlich oft ein mehrfaches seines
Kaufpreises und ein verstörtes und verrittenes Tier ist nicht so schnell
wieder korrigiert und gehört in die Hände eines Profis. So hart
es ist: Wenn du ein armes Pferd von einem schlechten Händler kaufst,
hilfst du damit vielleicht dem einen Pferd – aber du unterstützt
damit auch den Händler, der seine Pferde schlecht hält und den
Kunden Lügengeschichten auftischt um die Pferde
über ihrem Wert zu verkaufen. Für jedes verkaufte Pferd kommt
wieder ein neues in den Stall.
Ein Pflegepferd gehört nicht dir, aber du schaust an mehreren Tagen
in der Woche oder die ganze Woche über zu ihm. Auch das nimmt viel
Zeit in Anspruch. Nach der Schule kommen die Hausaufgaben und dann das
Pferd. Du kannst nicht kurzfristig beschliessen, ins Kino zu gehen, weil
es regnet und du lieber nicht raus zu deinem Pflegepferd möchtest,
denn der Besitzer des Pferdes verlässt sich ja auf dich.
Die Aufgaben, die du bei einem Pflegepferd hast, sind von Pferdebesitzer
zu Pferdebesitzer unterschiedlich. Normalerweise bedeutet es, das Pferd
zu putzen, zu misten, das Sattelzeug zu pflegen, das Pferd auf die Weide
zu bringen oder von dort zu holen, den Stall zu machen usw. Reiten gehört
nicht unbedingt dazu. Lasse dich jedoch nicht als Gratis-Arbeitskraft ausnützen.
Wenn du ein Pflegepferd möchtest, solltest du schon etwas Erfahrung
im Umgang mit Pferden haben, aber ein verantwortungsvoller Besitzer wird
dir auch etwas zeigen, wenn du es noch nicht weisst. Leider sind nicht
alle Pferdebesitzer so verantwortungsvoll. Sie haben z.B. ein Pferd für
ihre Tochter gekauft, doch nachdem sie das Pferd abgeworfen hat, will sie
es nicht mehr reiten. Das Pflegemädchen soll das Pferd nun wieder «kurieren» und
wenn das nicht funktioniert, ist es das Pflegepferd schnell wieder los.
Oder die Besitzer brauchen eigentlich nur billige Helfer und haben kein
Verständnis dafür, wenn du wegen der Schule mal nicht kommen
kannst. Vielleicht findest du es ja ganz toll, wenn man dich mit dem Pferd
einfach dir selbst überlässt und du tun und lassen kannst, was
du willst. Das kann aber ganz schön ins Auge gehen, vor allem wenn
du noch nicht so viel Erfahrung mit Pferden hast.
Da ein Pflegepferd nicht dir gehört, hat sein Besitzer das Recht,
es z. B. von einem Tag auf den anderen zu verkaufen und zwar an wen er
will. Deine Meinung zählt dabei nicht und das kann sehr hart sein,
wenn du dich von deinem geliebten Pflegepferd trennen musst.
Ein Pflegepferd findest du, indem du in Zeitungen bei den Kleinanzeigen
oder an Anschlagbrettern in Supermärkten usw. oder im Internet suchst,
selbst eine Anzeige aufgibst oder direkt einen Pferdebesitzer fragst, ob
er ein Pflegemädchen/-junge brauchen kann. Oft sind auch Reitlehrer
und die Verkäufer im lokalen Reitsportgeschäft gut informiert über
Pferdebesitzer, die jemanden suchen. Dort solltest du also unbedingt nachfragen.
Als Pflegemädchen oder Pflegejunge solltest du eine Haftpflichtversicherung
abschliessen und die schriftliche Einverständnis deiner Eltern haben.
Kläre mit dem Pferdebesitzer ab, was deine Aufgaben sind, ob du auch
etwas zahlen musst (ich habe bei meinem ersten Pflegepferd immer die Hälfte
des Hufschmieds bezahlen müssen) und ob du das Pferd auch reiten darfst.
Auch bei der Suche nach einem Pflegepferd gilt: Das Pferd sollte zu dir
passen. Du solltest mit ihm nicht überfordert sein. Ebenso wichtig
wie das Verhältnis zum Pflegepferd ist das Verhältnis zu seinem
Besitzer. Wenn du ihn nicht magst oder ihr sehr unterschiedliche Auffasungen
in Bezug auf Pferde habt, solltest du dir gut überlegen, ob es wirklich
sinnvoll ist, ausgerechnet sein Pferd zu pflegen.
Bei einer Reitbeteiligung teilst du das Pferd mit dem Besitzer. Ihr teilt
die Kosten für Hufschmied, Tierarzt, Futter und Stallmiete, macht
ab, an welchen Wochentagen wer zum Pferd schauen muss und es reiten darf.
Mit einem Reitbeteiligungspferd darfst du oft auch auf Turniere und in
die Reitstunde gehen. Von einer Reitbeteiligung wird ein gewisses reiterliches
Können erwartet. Manche Pferdebesitzer vergeben Reitbeteiligungen
ausserdem erst an Reiter über 18 Jahren.
Ohne genaue Absprache funktioniert eine Reitbeteiligung jedoch nicht und
Rechte und Pflichten beider Reiter sollten in einem Reitbeteiligungsvertrag
festgehalten werden. Deine Eltern müssen mit einer Reitbeteiligung
einverstanden sein, wenn du minderjährig bist, denn im Normalfall
müssen sie schliesslich zahlen. Eine Reitbeteiligung ist schon fast
wie ein eigenes Pferd, aber das Pferd gehört meist immer noch dem
Besitzer allein, er kann über es bestimmen und es auch an jemand anderen
verkaufen, wenn er das will.
Eine wenig bekannte Möglichkeit zum
«eigenen» Pferd zu kommen, ist eine Patenschaft für ein
altes oder unreitbares Pferd auf einem Gnadenhof zu übernehmen. Gnadenhöfe
sind oft Vereine, die von Spenden leben und in denen die Mitglieder auch
noch ihr letztes Geld für die Pferde zusammenkratzen. Gnadenbrotpferde
brauchen häufig spezielles Futter oder regelmässig den Tierarzt.
Ausserdem müssen die Ställe und Weiden in Ordnung gehalten, renoviert
oder ausgebaut werden.
Da die Pferde nicht arbeiten können, verdienen Gnadenhöfe mit
ihnen kein Geld. Deshalb gibt es oft die Möglichkeit, eine Patenschaft
zu übernehmen. Du kannst wählen, von welchem Pferd du Pate sein
möchtest und zahlst dafür einen bestimmten Geldbetrag an den
Gnadenhof. Je nach Gnadenhof kannst du selber bestimmen, wann und wieviel
Geld du spenden möchtest. Manchmal gibt es auch bestimmte Monats-,
Halbjahres- oder Jahresbeiträge. Es ist auch möglich, als ganze
Familie oder Clique eine Patenschaft zu
übernehmen.
Es bestehen in der Regel keine weiteren Verpflichtungen, aber wenn der
Hof in deiner Nähe liegt, ist es fast immer möglich, auf dem
Gnadenhof zu helfen oder auch das Pferd zu putzen und mit ihm spazieren
zu gehen. Viele Gnadenhöfe sind dankbar für jede Hilfe. Vom Gnadenhof
werden die Paten auf dem Laufenden gehalten, wie es «ihrem» Pferd
geht und was so im Stall passiert. An die Adresse von Gnadenhöfen
in deiner Nähe kommst du z. B.
über den Tierschutzverein.