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Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?Bring deinen Körper in FormTrainingstagebuch

Die meisten Reiter sind darum bemüht, ihr Können zu verbessern, und gerade wenn du erst mit dem Reiten angefangen hast, wirst du dich vielleicht fragen, wie lange du wohl brauchen wirst, bis du auch so gut reiten kannst wie andere Reitschüler oder gar erfolgreiche Turnierreiter. Ob du überhaupt mal so gut wirst wie dein Vorbild und wie lange du dafür brauchst, kann dir wohl keiner sagen. Hier gibt's aber einige Tipps, was du tun kannst, um schneller zum Ziel zu kommen.

Üben

Je häufiger du reitest, desto besser! Gerade ganz am Anfang ist es sinnvoll, zwei oder drei Reitlektionen pro Woche zu buchen. Wenn eine Woche oder noch mehr Zeit zwischen den einzelnen Übungseinheiten vergeht, hast du vieles von dem, was du beim letzten Mal gelernt hast, schon wieder vergessen. Und natürlich lernst du in einem halben Jahr mehr, wenn du zweimal pro Woche reitest, als wenn du in der gleichen Zeit nur einmal pro Woche oder noch seltener reiten gehst.
Es muss ja nicht immer Reitunterricht sein – Wenn du schon besser reiten kannst, könntest du dir ein Pflegepferd oder eine Reitbeteiligung suchen und so zu zusätzlichen Reitgelegenheiten kommen. Es kann durchaus sinnvoll sein, wenn man einmal selber ein bisschen üben kann, was man gelernt hat und sich selber überlegen muss, was man machen könnte, weil kein Reitlehrer da ist, der einem alles vorsagt.

Unterricht

Nimm Reitunterricht bei einer guten Reitlehrerin oder einem guten Reitlehrer. Viele Fehler bemerkt man selber nicht. Ein guter Reitlehrer weiss sicher eine ganze Menge mehr als du und du kannst von seiner Erfahrung und seinem Wissen profitieren. Gerade wenn du mit deinem (Pflege-)Pferd Probleme irgendwelcher Art hast, ist Reitunterricht von Nutzen. Aber auch wenn scheinbar alles in Butter ist, schadet Reitunterricht sicher nicht.

Theorie

Du hast kein eigenes Pferd und auch kein Pflegepferd, mit dem du ausserhalb der Reitstunden üben könntest? Macht nichts, auch dann kannst du mehr für dein reiterliches Können tun, als nur in die Reitstunde zu gehen! Gerade für die klassische Reitweise gibt es eine Menge Literatur, Richtlinien und Vorschriften. Es ist wohl die einzige Reitweise, der eine derart gründlich aufgeschriebene und reglementierte Reitlehre zu Grunde liegt. Es gibt z. B. eine «Skala der Ausbildung», die genau festlegt, was ein Pferd wann lernen soll und worauf es dabei ankommt, und wie du – vielleicht schon etwas genervt – festgestellt hast, wird auch der Reiter bei den ganzen Richtlinien und Vorschriften nicht ausgelassen.
Das Einhalten dieser Richtlinien ist das Eine – Verstehen das Andere: Informiere dich in Büchern über die Skala der Ausbildung, Pferdeverhalten (ja, auch das kann dir beim Reiten nützen!) und die Reitlehre. Es gibt einige sehr gute Bücher, in denen genau erklärt wird, warum du z. B. einen losgelassenen Sitz brauchst und wie du ihn erreichst, warum du deine Hände aufgestellt halten sollst und was passiert, wenn du nicht locker in diesem oder jenem Gelenk bist, aber auch, wieso die Hilfen für eine Wendung genau so gegeben werden und nicht anders oder in welchem Moment du welche Hilfe geben musst. Reiten ist zu einem grossen Teil auch Denksport.

Wenn wir etwas lernen, müssen wir zuerst die Einzelheiten eines Ablaufs kennen und verstehen, und begreifen, warum etwas so ist, wie es ist. Wenn uns etwas einleuchtet, dann vergessen wir es auch nicht so schnell wieder und bemühen uns eher, die Sache richtig zu machen, als wenn wir hinter einer Korrektur des Reitlehrers eine blosse Schikane sehen. Und manch ein Lichtaufgehen beim Studieren eines Buches hat schon zu einem grossen persönlichen Fortschritt geführt!

Wie wäre es, wenn du gleich selber ein Heft oder einen Ordner führen würdest, in dem du interessante Artikel sammelst und deine eigenen Überlegungen und Erkenntnisse niederschreibst?

Theorie muss keineswegs grau und unverständlich sein! Es gibt interessant geschriebene Bücher für alle Altersstufen, sowohl für Menschen, die eher technisch denken als auch für solche, die das Reiten mehr über das Gefühl angehen. Und es wird auch keiner von einem Anfänger erwarten, dass er ein Buch liest, indem bis zum kleinsten Detail Knochen und Muskeln von Pferd und Reiter und deren Zusammenspiel beim Reiten beschrieben werden. Informiere dich lieber zuerst über die Grundlagen und vertiefe später dein Wissen.

Trockenübungen

Ganz klar, mit Trockenübungen wirst du kaum lernen, dich auf einem Pferd in Bewegung zu halten und eine Bewegung, die man auf dem Trockenen korrekt ausführt, klappt sicher noch nicht gleich auch auf dem Pferd perfekt. Aber zum Lernen können Trockenübungen ganz sinnvoll sein. Wenn du z. B. ein Buch über die Anatomie des Reiters liest, wird dir oft vorgeschlagen, an deinem eigenen Körper dieses oder jenes Gelenk zu ertasten oder eine bestimmte Bewegung auszuführen. Genau das solltest du auch tun, denn: «Doppelt genäht hält besser!» Sprich: Wenn du mehrere Lernkanäle nutzt, also nicht nur mit den Augen liest, sondern auch noch mit deinem Körper spürst, hast du gleich doppelt gelernt und wirst weniger schnell wieder vergessen.

Aber Trockenübungen sind nicht nur dazu gut. Du wirst in der Reitschule oft nicht die Gelegenheit haben, eine neue Bewegung so oft zu üben, bis du sie «im Schlaf» ausführen könntest. Nehmen wir als Beispiel eine Wendung: In der Reitstunde hast du gelernt, dass der äussere Schenkel zurückgehen soll, das innere Bein am Gurt treibt, du den inneren Zügel etwas annehmen sollst und gleichzeitig sollst du auch noch … Ein bisschen viel auf einmal und dann sollst du das meistens auch noch gleich so ausführen. Wahrscheinlich hast du einen Teil der Anweisungen schon wieder vergessen oder gar nicht mehr mitbekommen, weil du noch dabei warst, dir zu merken, wo das äussere Bein hin soll, als die Reitlehrerin schon vom Zügel sprach. Trotzdem möchtest du dich in der nächsten Stunde nicht blamieren, wenn du eine korrekte Wendung reiten sollst. Was tust du da bloss? –
Nachdem du dich zuhause oder nach der Reitstunde noch einmal in Ruhe darüber informiert hast, was eine Wendung alles beinhaltet, suchst du dir irgendetwas, das auch nur die entfernteste Ähnlichkeit mit einem Pferd hat und an dem sich evtl. sogar ein provisorisches Paar Zügel befestigen lässt. Es bietet sich Vieles dafür an: Hocker, Sofalehne, Baumstämme, Findlinge, Leitern, Sitzbälle, Mauern, Kisten … Vielleicht hast du sogar einen richtigen Sattel, den du benutzen kannst oder du bastelst dir einen aus Kissen und Schnüren?! Auf diesem Ersatz-«Pferd»kannst du nun in Ruhe alle Einzelheiten einer Wendung üben. Zuerst übst du vielleicht, wie du dein äusseres Bein korrekt zurücklegen sollst. Später nimmst du das innere Bein hinzu, dann noch die Gewichtshilfen, die Zügelhilfen … und irgendwann, weisst du nicht nur, wie die Bewegung geht, sondern du kannst sie auch mit Leichtigkeit ausführen: Du denkst nicht mehr: «Äusseres Bein zurück, inneres treibt am Gurt, innerer Zügel …» sondern du beschliesst nur noch, eine Wendung zu reiten und «reitest» sie ganz einfach. Auch Satteln und Zäumen kann man trocken üben. Du ersparst damit auch deinem Schulpferd eine unsachgemässe Behandlung.

Fragen stellen

«Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten» stand in einer meiner früheren Reitschulen sogar in der Stallordnung und genau diesen Spruch solltest du dir auch zu Herzen nehmen. Wenn du in der Reitstunde oder in einem Sachbuch irgendetwas nicht verstanden hast oder einfach so wissen möchtest, frag deinen Reitlehrer! Du bist nicht dumm, wenn du etwas nicht kapierst, das er gerade ausführlich erklärt hat, sondern er hat es zu kompliziert erklärt. Du blamierst dich auch nicht vor den übrigen Anwesenden, wenn du eine Frage stellst. Vielleicht haben sie nämlich selber auch nicht verstanden, was der Reitlehrer wollte, aber sie getrauen sich selber nicht, zu fragen.
Einem guten Reitlehrer ist daran gelegen, dass seine Schüler verstehen, was er meint und er wird sich bemühen, dir deine Fragen zu beantworten. Vielleicht freut er sich sogar, wenn du nachfragst, denn das zeigt, dass du dich wirklich fürs Reiten und Pferde interessierst und nicht bloss eine Stunde lang zum Spass im Kreis reiten willst. Ein Reitlehrer, der seine Reitschüler keine Fragen stellen lässt, hat wahrscheinlich Angst, er könnte etwas nicht wissen oder nicht ausreichend begründen. Ein kompetenter Ausbilder wird keine Fragen scheuen.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?

Oft scheint es mir, eine grosse Anzahl Reitschüler nähme sich diesen Spruch zu sehr zu Herzen. Die Reitlehrerin hält meist einen Monolog und manchmal kann sie schon von Glück reden, wenn sie auf eine Frage ein undeutliches Kopfnicken bekommt. Reitlehrer beissen nicht! Ebenso wenig bekommst du von den anderen Reitschülern eins aufs Dach, weil du ihre konzentrierte Ruhe gestört hast. Du kannst deiner Reitlehrerin entscheidend helfen, wenn du auch mit deiner Stimme ein bisschen mitarbeitest. Antworte laut und deutlich auf ihre Fragen. Rede wirklich laut, denn in einer grossen Reithalle oder auf einem Aussenplatz versteht man dich sonst kaum. Gib ihr zu verstehen, dass ihre Anweisungen bei dir angekommen sind, indem du ihr z. B. mit einem «ja» oder «verstanden» antwortest. Manche Reitschüler versinken nämlich ab und zu in eine derart tiefe Konzentration (oder manchmal auch in einen Tagtraum …), dass man sich als Reitlehrer absolut nicht sicher ist, ob sie überhaupt zugehört haben.
Sage es deiner Reitlehrerin auch, wenn sie etwas wiederholen soll, oder wenn du ein Problem hast, ihre Anweisung auszuführen. Vielleicht fällt dir auch auf, dass an deinem Pferd heute irgendetwas anders ist als sonst, deine Steigbügel sind ungleich lang, du möchtest mit diesem Pferd lieber nicht galoppieren oder dein Pferd weicht in einer bestimmten Ecke immer nach innen aus … Egal was los ist, melde dich zu Wort. Gerade wenn mehrere Reiter in der Bahn sind, kann deine Reitlehrerin unmöglich ihre Augen überall haben und manches bekommt man vom Boden aus auch nicht deutlich genug mit, um es zu bemerken. Z. B. dass du dringend aufs Klo musst oder dass du wegen der Hitze nächstens vom Pferd kippst.

Bring deinen Körper in Form

Du kannst dir den korrekten Sitz und die Unabhängigkeit aller Körperteile erheblich erleichtern, wenn du etwas für deinen Körper tust. Besonders Dehnübungen können sehr sinnvoll sein. Finde heraus, welche Muskeln bei dir verkürzt sind und Dehnung nötig hätten. Besonders betroffen sind meist Brust- und Schultermuskulatur sowie die Waden- und Hüftmuskeln. Es gibt eine ganze Menge Dehnungsübungen. (Einige davon findest du auch unter Fit fürs Reiten.) Die Übungen werden dir nicht nur beim Reiten nützen. Auch im Alltag kommen dir geschmeidige Muskeln zugute. Ich persönlich fühle mich total steif und verkrampft, wenn ich längere Zeit keine Dehnübungen mache und bekomme sogar Rückenschmerzen. Achte beim Dehnen aber darauf, nicht zu wippen, denn dann können Muskelfasern reissen und der Muskel wird noch fester statt geschmeidiger und wärme dich vor dem Dehnen ein bisschen auf.
Aber nicht nur Dehnübungen sind gut. Auch Balance- und Koordinationsübungen können dir fürs Reiten nützen. Sei dies Yoga oder geschicklichkeitsförderndes «Spielzeug» wie z. B. ein Einrad, Pedalos und was es sonst noch alles gibt, Jonglieren oder spezielle Übungen, die unabhängiges Bewegen unterschiedlicher Körperteile erfordern. Du kennst diese Übungen sicher auch: Man macht beispielsweise mit einer Hand Kreise vor dem Bauch und mit der andern «schlägt» man sich im Takt auf den Kopf. Oder mit einer Hand malst du ein Dreieck in die Luft und mit der anderen einen Kreis. Am Anfang ist das ganz schön vertrackt, aber irgendwann hast du den Bogen raus, und du kannst eine neue Bewegung ausführen. Auch im Wald rumrennen und auf Bäumen rumklettern usw. fördert das Gleichgewicht, das Bewegungsgefühl und die Geschicklichkeit. Und es macht allemal mehr Spass als den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher zu sitzen.

Das Trainingstagebuch

Führe ein Trainingstagebuch, in dem du festhältst, was in den Reitstunden (und auch beim selbständigen Reiten) gut war, was du gelernt hast, und was du verbessern möchtest. Es ist nicht nur interessant, im Nachhinein zu lesen, was man schon alles für Fortschritte gemacht hat, du steckst dir mit dem Trainingstagebuch auch Ziele, die dich motivieren und an denen du dich orientieren kannst. Ich habe eine Vorlage eines solchen Tagebuches erstellt, die du dir herunterladen und ausdrucken kannst: Zum Download.